Was ist denn eine Lücke, was definiert sie? Die Lücke, sagt Hannah Arendt, ist der Ort
zwischen dem Gestern und dem Morgen. Es ist ein immer wieder neu gestaltbarer Raum. Ein
Raum, in dem wir uns und unser tägliches Handeln aktiv befragen dürfen und immer wieder
neu die Chance bekommen, uns aus- und aufzurichten.
Die Woche in Bad Reichenhall ist eine Woche des Zweigesprächs mit dem Papier, der
Leinwand: Zwischen Dir und dem Malgrund entsteht etwas. Dieses Dazwischen ist das
eigentliche Ereignis! Es ist diese Lücke, in der Erkenntnis wächst.
Vielleicht stellt sich die Lücke erst einmal als Leere dar. Eine Leere, die nach Stille ruft.
Vielleicht will die Lücke aber auch Wildes und Lautes, um wirklich wahrgenommen zu
werden. Aufregend ist es allemal, wenn wir unsere Antennen putzen und den subtilen
Wahrnehmungen im Dazwischen Aufmerksamkeit schenken.
Malerei setzt Markierungen. Sie legt fest. Manch eine Geste ist bewusst, gewollt. Dann
passieren “Fehler”. Ungeplantes schickt uns in Zwischenräume, von denen wir gar nicht
wußten, dass sie existieren. Oder es nicht wissen wollten. Es gilt im Jetzt nach Lösungen zu
suchen. Was siehst Du? Was nimmst Du wahr? Wohin will das Bild? Wohin willst Du? Und
was schwingt da an Altem mit?
Wie spricht “Deine Lücke” zu Dir?
Und wie genau lenken wir Liebe in die Lücke?
Ich glaube, dass die Momente, die Unbewusstes und scheinbar Bekanntes, Verstandenes und
Rätselhaftes neu ordnen, dass diese Momente die Kraft haben, unsere Herzen neu
auszurichten und so Liebe in Lücken lenken.
Für mich ist das ein alchemistischer Prozess!
Die Malerei macht das Unsichtbare sichtbar und kann so die Malende transformieren. Das
„Nicht-mehr“ und das „Noch-nicht“ begegnen sich, sagt Hannah Arendt, und wir sind
Handelnde und Zeuginnen: Die Vergangenheit ist vergangen und bietet keine festen Regeln
mehr für die Zukunft. Die Zukunft ist offen. Die Gegenwart, so Arendt, fungiert als
unparteiischer, bodenloser Dazwischen-Raum.
Ich freue mich sehr darauf, diesen mit Dir zu erkunden. (Denn wo es bodenlos ist, sind wir
angehalten, fliegen zu lernen…)
Warum ich die Woche in der Kunstakademie so liebe: Die individuelle Arbeit wird subtil
durch die Gruppe mitgetragen. Indem wir die Tage im Kreis und mit einer kleinen Meditation
beginnen, schaffen wir einen geschützten Raum. In der Gruppe entsteht etwas, das allein
nicht möglich ist: Wir werden gesehen. Unsere Arbeit wird wahrgenommen. Das, was noch
zart und unfertig ist, darf sich zeigen – ohne Bewertung, aber mit echter Aufmerksamkeit.
Die Gruppe wird zum Resonanzraum, in dem das Leise Gewicht bekommt und das
Verborgene Form annimmt.
Und: Es ist einfach schön, nicht allein zu arbeiten. Die stille Konzentration der anderen trägt
die eigene mit. Die Prozesse der anderen inspirieren, ohne abzulenken.
Was Du wissen solltest:
Zu dem Kurs sind Teilnehmer*innen mit und ohne Vorkenntnissen willkommen.
Bring gerne Material, an dem du ggf. gerade arbeitest, mit (oder Fotos davon). Außerdem
empfehle ich Pappen, Papiere, Buntstifte, Kohle und Acrylfarben dabei zu haben (der
Boesner ist gegenüber, so dass Materialien auch vor Ort gekauft werden können).
Allmorgendlich werden Atemübungen, kleine körperliche Aktivitäten und eine Meditation
angeboten (ca. 30 Minuten). Daher ist es eine gute Idee, eine Yogamatte und/oder ein
Sitzkissen mitzubringen.
Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Woche in den Bergen.
Unsere Dozentin stellt sich vor:









