Wir befinden uns in gewaltigen Transformationsprozessen. Das ist wahrlich nicht immer leicht. Gerade in so einer Zeit ist es wichtig, das subtile Zuhören zu trainieren.
Was kann Kunst? Was kann Malerei? Ein kleiner Impuls – ein Traumbild, eine flüchtige Stimmung, eine Erinnerung – kann ein Tor zu einer großen Welt öffnen. Das wissen wir. Aber wie schaffen wir es, diesen leisen Signalen wirklich Aufmerksamkeit zu geben, sie ernst zu nehmen und sichtbar zu machen?
Malerei setzt Markierungen. Sie macht das Unsichtbare sichtbar: einen Gedanken, der sich nicht in Worte fassen lässt, eine Empfindung, die noch keine Form hat. Im Zwiegespräch mit dem Papier oder der Leinwand legen wir uns selbst eine Spur – durch Farbe, Linie, Geste. Wir formen, setzen Impulse, gestalten.
Irgendwann im Prozess ändert sich die Dynamik: Wurde die Richtung erst aus der eigenen Vorstellung gesetzt, gilt es dann, dem Bild zuzuhören. Welcher Schritt ist der nächste? Braucht es ein wildes Rot oder ein solides Dunkelblau? Einen kräftigen Strich oder ein zartes Verwischen? Das Bild fordert. Es gibt Rätsel auf. Ist widerspenstig oder geschmeidig. Dieser Dialog – zwischen dem, was ich will, und dem, was das Bild braucht – ist aufregend, aufwühlend oft. Ein Tanz zwischen Hingabe und präziser Setzung. Und er spiegelt das Leben.
Das Schöne in der Kunstakademie: Die individuelle Arbeit wird subtil durch die Gruppe mitgetragen. Indem wir die Tage im Kreis und mit einer kleinen Meditation beginnen, schaffen wir einen geschützten Raum. In der Gruppe entsteht etwas, das allein nicht möglich ist: Wir werden gesehen. Unsere Arbeit wird wahrgenommen. Das, was noch zart und unfertig ist, darf sich zeigen – ohne Bewertung, aber mit echter Aufmerksamkeit.
In persönlichen Gesprächen und beim gemeinsamen, genauen Hingucken werden Dinge sichtbar, die uns selbst oft verborgen bleiben: ein wiederkehrendes Motiv, eine Farbwahl, die mehr erzählt als wir ahnen, eine Geste, die eine Bedeutung trägt. Die Gruppe wird zum Resonanzraum, in dem das Leise Gewicht bekommt und das Verborgene Form annimmt.
Und: Es ist einfach schön, nicht allein zu arbeiten. Die stille Konzentration der anderen trägt die eigene mit. Die Prozesse der anderen inspirieren, ohne abzulenken.
Zur Woche in Reichenhall
Zu dem Kurs sind Teilnehmer*innen mit und ohne Vorkenntnissen willkommen. Bring gerne Material, an dem du ggf. gerade arbeitest, mit (oder Fotos davon). Außerdem empfehle ich Pappen, Papiere, Buntstifte, Kohle und Acrylfarben dabei zu haben (der Boesner ist gegenüber, so dass Materialien auch vor Ort gekauft werden können).
Allmorgendlich werden Atemübungen, kleine körperliche Aktivitäten und eine Meditation angeboten (ca. 30 Minuten). Daher ist es eine gute Idee, eine Yogamatte und/oder ein Sitzkissen mitzubringen.
Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Woche in den Bergen
Unsere Dozentin stellt sich vor:






