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#8 Programm 2025: Die Welt als Material
Der Sehsinn ist der wichtigste Sinn des Menschen. Mit ihm verschaffen wir Menschen uns Orientierung in der Welt und doch ist es ein Sinn dessen Erkenntnisqualität voller Täuschungen ist. Denn nicht die Rezeptoren in unseren Augen sorgen für das Bild in unserem Kopf, nein, sie sind nur ein Teil des Apparates, der dafür sorgt, dass wir uns ein visuelles Bild der Welt machen können. Ein ebenso – möglicherweise sogar noch wichtigeres Element ist unser Gehirn, dass aus den Sinneseindrücken ein Bild erschafft, das zwar die äußere Welt einfängt, aber gleichzeitig sehr viel dazuerfindet. Wir alle kennen das Phänomen, dass wir nicht gänzlich scharfe, oder sogar nur in Bruchstücken vorhandene Darstellungen der Wirklichkeit in unserem inneren Auge vervollständigen. Noch verblüffender ist sicherlich das Phänomen des Nachbildes – eine Art Abdruck des Gesehenen, das aber nicht die gleiche Farbigkeit oder Dichte der Darstellung beinhaltet. Wenden wir uns der gegenständlichen Kunst zu, begegnen wir noch sehr viel mehr Phänomenen, die trotz der langen Geschichte der gegenständlichen Kunst unerschöpflich zu sein scheint. Sie ist das beste Beispiel, dass der Mensch in der Kunst eine eigene Wirklichkeit erschafft: sogar dann, wenn er in der so genannten fotorealistischen Malerei behauptet die Wirklichkeit basierend auf Fotodokumenten wiederzugeben.

Schon in den Höhlenmalereien vor über 30 000 Jahren finden wir Zeugnisse gegenständlicher Tier- und Menschendarstellungen und doch sind diese Darstellungen sehr viel mehr als die Abbildung der Wirklichkeit. Sie sind Erzählungen über das Mensch-Sein. Betrachten wir die lange Reihe von Darstellungen biblischer Szenen in der Malerei sehen wir Gegenstände und Menschen, aber auch hier wird uns mittels einer ausgeklügelten Ikonographie eine eigene Welt präsentiert, die weit über den Gegenstand hinausweist. Mit der Romantik eines Caspar David Friedrich erleben wir die Erschaffung einer geistigen Sphäre, deren gegenständliche Darstellung nur den Boden für unsere Imagination bereitet. Die Impressionisten sind ein weiteres Beispiel der Darstellung der gegenständlichen Welt, die aber schon auf dem Bewusstsein unseres inneren Eindrucks beruht und damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse des beginnenden 20. Jahrhunderts vorwegnimmt. Mit den Expressionisten wird anhand gegenständlicher Darstellungen das Innere nach außen gekehrt und die scheinbare Nüchternheit der neuen Sachlichkeit führt dank der Verführungskunst der Malerei zu weit mehr als dem Faktischen. Gerade in Deutschland kann man auf eine große Tradition gegenständlicher Malerei zurückgreifen und so mag es kein Zufall sein, dass in den 60er Jahren mit Künstlern wie Gerhard Richter, Georg Baselitz, Jörg Immendorf oder Sigmar Polke die Gegenständlichkeit einen neuen Siegeszug angetreten hat. Auch die amerikanischen Fotorealisten verschafften der realistischen Malerei einen neuen Spin, der den scheinbaren Siegeszug der Fotografie und der Abbildung der Wirklichkeit die Qualität der künstlerischen Aneignung von Wirklichkeit und der damit verbundenen Transformation entgegensetzte.

Zwanzig Jahre später gefolgt von den Jungen Wilden und in den 90er Jahren in gänzlich neuer Form erweitert durch die neue Leipziger Schule, die Narrative im Bild wieder in den Mittelpunkt rückten. Spätestens seit diesem Zeitpunkt gibt es keinerlei Kanon mehr und wir können auf unbeschreiblich viele Formen der gegenständlichen Malerei schauen.

In unserem Programm 2025 bilden wir davon einen nicht unerheblichen Anteil ab. In diesem Newsletter beschäftigen wir uns nur mit der Malerei – weder mit der Fotografie noch mit dem Aquarell.

Mit dem Schweizer Künstler Alex Bär verbindet uns eine langjährige Partnerschaft. In seinem Kurs arbeitet er mit der Figur. Wir wollen die anatomische „Stimmigkeit“ nicht ganz vergessen, wichtiger aber ist es konkrete Wege und Strategien, hin zu einer überzeugenden Abstraktion, zu entwickeln. Erlebbar wird eine figürliche Malerei jedoch erst durch die formale Abstraktion.
Auf dieses Thema zahlt ebenso Felix Eckardt in seinem Kurs ein. Auch hier werden ausgehend von der gegenständlichen Darstellung Abstraktionen vorgenommen, die zu einer neuen Offenheit, Prägnanz und Wirklichkeit führen.

 

 

 

Ausschnitte aus den Kunstwerken von Alex Bär, Bogdan Pascu, und Barbara Pacholik

 

Stephan Geisler, Bogdan Pascu und Martin Praska arbeiten aus der Idee einer pop-kulturellen Ästhetik und schaffen in der gegenständlichen Malerei Abstraktionen, Verzerrungen oder Zuspitzungen thematischer Hinsicht. Zwischen einer präzisen visuellen Sprache, gestischen Extremen, pastosen oder flächigen Farbaufträgen einen spielerischen Umgang mit Motiven zu finden, bietet Freiheit und Freude an der Malerei. Bei Barbara Pacholik dient das Foto als Basis bzw. Vorlage für den Bildaufbau. Einzelne Bildelemente werden mit Papiercollage gestaltet und mit Kohle oder Acrylmarker ergänzt. Die Lasurtechnik bringt die Acrylfarben zum Leuchten. Die unterschiedlichen Strukturen und Farben des Papiers (Illustrierte, Papiersorten, Servietten etc.) erweitern die Acrylmalerei durch ihre eigene Formensprache und liefern Kontraste. Somit ergeben Papiercollage und Malerei eine spannende Symbiose.

Rosa Loy und Uwe Wittwer – beides Künstler im Bereich der Meisterkurse beschäftigen sich mit Narrativen. Während Rosa Loy in ihren malerischen Ansätzen persönliche, teils unbewusste Narrative mit einer sensiblen und konzentrierten Palette verbindet, die den Teilnehmenden die Konzentration auf das Wesentliche vermittelt ohne sie inhaltlich einzuschränken erweitert Uwe Wittwer das thematische Spektrum ins Unendliche. Der Schweizer Künstler ist nicht nur international sehr bekannt, sondern bietet in seinem Kurs an, von einer vereinzelten Bildidee und Bildsprache zu einer dezidierten künstlerischen Haltung zu finden, gespeist aus den Tiefen der Bildinspirationen des Netzes, der Fotografie oder aus Büchern, die eine Resonanz bei den Teilnehmenden erzeugen. Aus dieser Vielfalt der Wirklichkeiten einen eigenen künstlerischen Kosmos zu entwickeln steht dabei im Vordergrund. Leif Trenkler dagegen nutzt digitale Bildvorlagen dazu, malerische Welten zu erzeugen, die sich auf die Temperatur von Farben oder auf die Frage nach Unschärfe und Präzision konzentriert.

 

 

 

Ausschnitte aus den Kunstwerken von Leif Trenkler, Uwe Wittwer und Michaela Eichwald

 

Auch Wolfgang Ellenrieder und Michaela Eichwald bedienen sich einer Wirklichkeit, die vor unseren Augen steht entwickeln in ihren Meisterkursen aber gänzlich andere Zugänge in die Kunst hinein. Während Wolfgang Ellenrieder Malerei nutzt, die neuen Bild- und Medienwirklichkeiten zu reflektieren, mittels ihrer spezifischen Qualitäten wie etwa Materialität und persönliche Ausdrucksformen versteht Eichwald die gesamte Welt als Labor, dessen Inhaltsstoff und Ausdruck experimentell zu neuem Stoff und Ausdruck gewandelt wird und an dessen Ende Bilder stehen. Der spielerische Prozess aus Zufall, Emotion, Gestaltwerdung und vor allem wiederkehrender Reflektion bietet allen Teilnehmenden die Möglichkeit, bereits vorhandene Ideen wie auch neue Ideen zu verdichten, zu verwirklichen oder über den Haufen zu werfen.

Verena Landau beschäftigt sich mit der Transformation von Gemälden aus der Kunstgeschichte, ein Werk der Vergangenheit wird zu einem aktuellen künstlerischen Ereignis. In diesem Kurs werden die Teilnehmenden durch Malerei ein selbst gewähltes Gemälde vergangener Jahrhunderte persönlich interpretieren und aktualisieren. Welches Potential hat ein Portrait von Tizian heute noch für uns? Welche gesellschaftlich bedeutenden Themen finden sich in einem Sujet von Artemisia Gentileschi? Welche hochaktuellen Bezüge können wir in einem Interieur von Vermeer entdecken?

Auch bei Mirko Schallenberg fühlt man sich – ebenso wie bei Michael Triegel – scheinbar versetzt in ein historisches Gemälde, aber Schallenberg gelingt es in der totalen Konzentration auf die Qualität, Beschaffenheit und Ansichtigkeit der Gegenstände des Stilllebens präzise Darstellungen zu evozieren, die uns dennoch mehr über den Gegenstand erzählen als er scheinbar in sich trägt. Die gegenläufige Perspektive nimmt Christopher Eymann ein. Laut Statistik besitzt der/die Mitteleuropäer*in durchschnittlich 10 000 Gegenstände! Trotz täglichem Gebrauch über Jahrzehnte, nehmen wir sie spärlich wahr! In diesem Kurs wollen wir einen frischen Blick auf die Welt um uns herum richten und Alltagsgegenstände als Inspiration für spannende figürliche/abstrakte Bilder nützen.

 

 

 

Ausschnitte aus den Kunstwerken Mirko Schallenberg, Verena Landau und Christopher Eymann

 

Erwin Kastner und Bernhard Vogel – beide langjährige Dozenten an der Kunstakademie Bad Reichenhall greifen in ihren sehr unterschiedlichen malerischen Ansätzen Themen wie Landschaft und Stadt auf. Ihre Konzentration auf diese Motivgruppen führt dennoch zu vollkommen unterschiedlichen und jeweils faszinierenden Stilen und Techniken, die sie gekonnt an die Teilnehmenden vermitteln. Szilard Huszank widmet sich alleine der Landschaft, wobei Erlebnisse und Erinnerungen, Phänomene der Natur, Einfluss von Licht und Schatten als Inspirationsquelle genutzt werden. Zunächst beschäftigen wir uns mit der Wahl der Motive anhand von Entwürfen auf Papier, durch sogenannte Öl- und Aquarellskizzen. Mit Christine Weinmüller bieten wir dieses Jahr die Möglichkeit sich mit Tieren in der Malerei zu beschäftigen. Ein Motiv, dass große Tradition in der Kunstgeschichte hat und das vielfach im Mittelpunkt herausragender Künstler*innen stand.

Gerhard Almbauer bewegt sich gekonnt zwischen Abstraktion und Figuration und bedient sich in seinen Kursen unterschiedlicher Herangehensweisen. Nicht selten werden Fotovorlagen genutzt und diese dann abstrahiert oder aus der Abstraktion und der Farbe heraus gegenständliche Motive herausgearbeitet.

Die gegenständliche Malerei mit Kim Reuter befasst sich intensiv mit der Maltechnik. Die Anwendung von Eitempera – eine sehr alte und erprobte Technik – wird heute oftmals zu Gunsten simpler Malmittel wie Acrylfarben vernachlässigt, dennoch bietet insbesondere dieses Malmittel ungeahnte atmosphärische Möglichkeiten.

 

Schauen Sie doch mal in unser Programm- viele spannende Künstler und Techniken warten.

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Ausschnitte aus den Kunstwerken von Christine Weinmüller, Szilard Huszank und Kim Reuter
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