Die aktivierende Leere in der Tuschemalerei
Sumi-e bedeutet „Malen mit schwarzer Tusche“ und hat seinen Ursprung in der japanischen zen-buddhistischen Tradition. In diesem Kurs widmen wir uns einem der zentralen ästhetischen Prinzipien der ostasiatischen Kunst: dem Konzept des leeren Raums, das in Japan als „Ma“ bezeichnet wird. Anders als in westlichen Kunsttraditionen wird Leere hier nicht als bloße Abwesenheit verstanden, sondern als aktivierende, gestaltgebende Kraft. Der leere Raum wird zum bedeutungsvollen Bestandteil der Komposition und eröffnet einen lebendigen Spannungsraum zwischen den Formen.
Im Mittelpunkt des Kurses steht die Frage, wie Leere Wahrnehmung lenkt, Rhythmus erzeugt und Bedeutung entstehen lässt. Der leere Raum strukturiert nicht nur das Bild, sondern hält das Gemalte „in der Schwebe“ und öffnet es für Assoziationen, Bewegung und Stille zugleich. Gestalteter und leerer Raum besitzen dabei denselben Stellenwert.
Anhand kleinformatiger Studien ebenso wie größerer Arbeiten erkunden wir verschiedene Möglichkeiten der Raumgestaltung in der Tuschemalerei – von traditionellen Bildauffassungen bis hin zu gestisch-abstrakten Ansätzen. Ergänzend zur praktischen Arbeit werden grundlegende philosophische Hintergründe von „Ma“, Zen und ostasiatischer Ästhetik vorgestellt. Dabei geht es auch um die Bedeutung von Pause, Reduktion, Konzentration und dem bewussten Offenlassen in künstlerischen Prozessen.
Die Technik der Sumi-e-Malerei kann ohne Vorkenntnisse erlernt werden und eignet sich gleichermaßen für Ungeübte wie Fortgeschrittene.






