Dieser Wochenendkurs widmet sich dem Wechselspiel von Fülle und Leere in der japanischen Malerei. Ausgehend von der ostasiatischen Maltradition fragen wir, wie Leere als aktiver Bestandteil eines Bildes wirkt. Gefüllte und unbemalte Bereiche stehen hier nicht im Gegensatz, sondern bedingen einander und prägen Rhythmus, Gewichtung und Spannung einer Komposition. Im Mittelpunkt steht dabei weniger ein festes ästhetisches Prinzip als die konkrete Wahrnehmung von Beziehungen: Wo verdichtet sich ein Bild, wo öffnet es sich? Wie verschieben sich Spannung und Balance, wenn Formen gesetzt, wiederholt, ausgelassen oder zurückgenommen werden?
Praktisch arbeiten wir mit abstrahierten Formen und freier, gestischer Pinselführung, mit schwarzer Tusche und Gouache auf Japanpapier. Ein Schwerpunkt liegt auf der Dichte der Tusche: Wir erproben die „Töne“ des Schwarz, vom tiefen, konzentrierten Schwarz bis zu zarten, fast transparenten Grautönen, und untersuchen, wie durch Überlagerung, Verdünnung und unterschiedliche Auftragsweisen Tiefe, Atmosphäre und Bewegung entstehen.
Begleitend gibt die Dozentin Einblicke in philosophische Vorstellungen von der so genannten „wirksamen Leere“ als japanisches ästhetisches Prinzip. Etwa ein Drittel der Kurszeit gehört der philosophischen Einführung, gemeinsamen Betrachtung und dem Gespräch. Die theoretischen Impulse bleiben eng an die eigene Arbeit gebunden und sollen die Entwicklung einer persönlichen Bildsprache anregen.






